Familie im FGV
Vielleicht haben Sie mit Ihrer Familie schon einmal die Vorzüge unserer Vereinsangebote von einem Besuch auf der Gänskopfhütte, der Scherzenmühle oder der Volkskundlichen Sammlung bis hin zu erholsamen Wanderungen und günstigen Fahrten und Ausflügen genutzt. In diesem Bereich helfen uns besonders die Voll- und Ehegattenmitglieder durch ihren Mitgliedsbeitrag, die finanziellen Aufwendungen mit zu decken. Für einen Jahresbeitrag von € 20.- für Vollmitglieder bzw. € 5.- für Ehegattenmitglieder ist der entsprechende Gegenwert seitens unseres Vereines mehrfach.
Familiengruppe - der Erlebniskick für Eltern und Kinder
Referat und praktische Hinführung zum Thema
Claudia Müller, Weidenberg / Familienreferentin im Fichtelgebirgsverein
Familiengruppen, die Zukunft eines jeden Vereines gewinnen immer mehr an Wichtigkeit, denn inzwischen wurde erkannt, dass nur wer verstärkt sich im Bereich der Familien engagiert auch eine zukunftsorientierte Vereinsarbeit leistet.
Doch jeder, der ehrenamtlich im Bereich der Jugend oder Familie mitarbeitet, weiß, dass die Anforderungen beständig anwachsen und auch oft mit einem Neuanfang zu rechnen ist, denn in unserer schnelllebigen Zeit ist eine ständige anwachsende Unbeständigkeit innerhalb unserer Gesellschaft zu bemerken.
Die Familien haben, oder nehmen sich oft sehr wenig Zeit füreinander und müssen erst wieder lernen die Freizeit gemeinsam zu planen, zu verbringen, zu erleben und ein positives, erfülltes Familiengefühl zu empfinden. Die Familie, die uns ihr Interesse kundtut, bedarf großer Aufmerksamkeit, Pflege und Hinwendung, denn das Angebot im Freizeitbereich ist vielseitig wie noch nie. Da sich die Familienstruktur entsprechend geändert hat, sind oft sogar mehrere Generationen im Familienbund aktiv und entsprechend muss auch von unserer Seite ein spezielles Angebot erstellt werden. Planung und Durchführung von Familienaktivitäten fordert eine Vielseitigkeit von Seiten des Vereins, von Eltern, Kindern und Großeltern. Auch werden hier natürlich die Grundlagen für eine sinnvolle Freizeitgestaltung gelegt, denn Aktionen unserer Familiengruppen finden in der Freizeit statt.
Das Anspruchsdenken an unsere Arbeit mit den Familiengruppen wird vom Verband, von den Vereinen inzwischen doch sehr hoch gesteckt und fordert von verantwortlichen Leitern und Betreuern ein hohes Maß an Willenskraft, Initiative, Frustrationstoleranz, Flexibilität, ständige Belastbarkeit, Offenheit für Neues oder aber im Alltäglichen das Wunderbare sehen zu können und die Familien in ihrem So- sein annehmen, ihnen mit Freude entgegengehen. Genau hier begeben wir uns nun miteinander in das Reich der Familie:
Familie ist etwas, was täglich Neues aufwirft, Offenheit besitzt für Geheimnisvolles, Freiheiten in der Fantasie gewährleistet, versteckte Energien versprüht, Problembündel herumträgt, Glücksmomente liebt, Streit provoziert, aber auch ungeheuer neugierig ist auf das was ihre Umwelt und die Natur für sie bereit hält.
Und nun kommt diese Familie zu uns und will mit allen Sinnen, mit viel Fantasie und Eigentätigkeit ihre Freizeit mit uns und bei uns verbringen, da heißt es nun dort anzusetzen, was dem Interessen aller entspricht und das Einverständnis aller besitzt.
Jeder kommt mit anderen Erwartungshaltungen, anderen Voraussetzungen, aber jeder möchte etwas mit anderen zu tun haben. Neue und grundlegende soziale und emotionale Erfahrungen im Umgang mit anderen, Kennen lernen eines Gegenübers in verschieden Situationen ermöglichen ein Miteinander zu erleben, und seine eigene Persönlichkeit entsprechend einzubringen oder zurück zu nehmen.
Das Miteinander lässt häufig erkennen, dass uns die Kinder, in ihrer kindlichen Naivität an Impulsen über Einfallsreichtum und Kreativität weit voraus sind und wir, wenn wir die Situation wach verfolgen, reichhaltig lernen können. Problemlösungen werden oft über kindliche Ideen unproblematisch und ein gegenseitiges Ergänzen führt zum erfüllten Ganzen.
Erleben lernen mit Kopf, Herz und allen Sinnen, so könnte das Leitthema für Familien sein, damit auch unsere Gesellschaft , in der sinnvolle und sinnliche Gemeinschaft einen niedrigen Stellenwert einnimmt, für die Zukunft profitiert und beispielhafte Akzente gesetzt werden. Sich im Leben auf eine Vielzahl von Situationen einstellen können, Zugang finden, Angebote verstehen und verarbeiten. Diese lernend erleben und in anderen Situationen wieder verwenden und abrufen, wäre ein sinnvoller Beitrag im lebenspraktischem Bereich.
Innere Ruhe und eine von innen aufbauende Ausgeglichenheit baut Vertrauen und Wohlempfinden auf und lässt ein gesundes Gruppengefühl und eine wohltemperierte Gruppendynamik entstehen.
Mit allen Sinnen, nämlich Erlebnisgefühl mit dem ganzen Wahrnehmungsprozess, der es uns ermöglicht durch Erlebnis zu lernen und zu begreifen.
Durch die taktile Wahrnehmung begreifen und erfühlen wir besondere Eigenschaften verschiedener Dinge unsere Umwelt besser.
Durch die visuelle Wahrnehmung kann intensives Heraussehen und die Raumlage der Natur und der Umgebung sensibilisiert werden.
Auch das Lauschen, die Stille der Geräusche, die Richtung verschiedener Stimmen genauer zu erleben führt uns über die auditive Wahrnehmung.
Verschiedene Geruchs- und Geschmackserlebnisse zu assoziieren ermöglichen uns die gustatorische und die olfaktorische Wahrnehmung.
Alle diese Faktoren verbunden mit Bewegung, Kreativität und Interesse lassen Erleben zu einem Erlebniskick der Familie werden.
Denn:
Erleben muss erlebt sein, damit es als Erleben erlebt wird und als Erlebnis empfunden.
Ich möchte Sie jetzt, zu einem Erleben mit Körper, Geist und allen Sinnen, verbunden mit Elementen aus der Erlebnispädagogik, Naturerlebnis- und Abenteuerspielen einladen, denn Erleben muss erlebt werden.
Das Fingerhütchen,
ein irisches Märchen, aufbereitet für eine Familienwanderung mit besonderen Erlebniseinheiten
Unsere Geschichte spielt in der Nähe eines Dorfes, in dem es eine Besonderheit gibt, denn alle mit dem gleichen Anfangsbuchstaben mussten im gleichen Haus wohnen.
Da hieß es aufgepasst mit Freundschaften und klaren Kopf bei der Namensgebung.
Spiel: Bildet verschiedene Hausgemeinschaften - Haus 1 = Namen mit A ...
Geeignet als Kennenlernspiel
In der Nähe des Dorfes wohnte ein junger Mann, der lebte einsam in seinem kleinen Häuschen. Er war mit einem Buckel auf dem Rücken geboren worden und von Jahr zu Jahr wurden sein Rücken immer krummer und sein Kopf neigte sich immer mehr zu Boden, sodass er sehr traurig aussah. Er hatte ein gutes Herz, doch niemand wollte etwas mit ihm zu tun haben. Daher ging er gerne in den Wald und liebte Wiesen und die Blumen und machte sich die tollsten Bilder.
Auftrag: Fülle etwas besonderes in dein Diarähmchen - wir betrachten uns jedes Bild in der ganzen Gruppe
Er kannte sich gut aus mit wilden Beeren, Heilkräutern, Pilzen und Nüssen, die er auch für den Winter fleißig sammelte. Dabei dachte er auch an die Tiere, die im Schnee leider keine Nahrung finden konnten, an die Eichhörnchen, die Igel, die Vögel, die Mäuse und die Rehe. Er sammelte Kastanien, Bucheckern, Nüsse . Sonnenblumenkerne und trocknete Apfelringe, von denen er ab und zu auch einen kleinen schnabulierte.
Spiel: Die Naturmaterialien werden auf verschiedenen Plätzen aufbewahrt und entsprechend der Anweisung holt Fingerhütchen diese. ( Feuer, Wasser =Spielähnlichkeit)
Eichhörnchen - Nüsse
Igel - Apfelringe
Vögel - Sonnenblumenkerne
Rehe - Kastanien
Mäuse - Bucheckern
Hole das richtige, verliere nichts und sei flink!
Am besten gefiel ihm der rote Fingerhut, der auch Elfenkappe genannt wird. Er trug stets einen Hut, an den er gerne einen Zweig der roten Blume steckte. Die Leute im Dorf nannten ihn deshalb nur Fingerhütchen.
Jeder bekommt einen Fingerhut als Erinnerung
Fingerhütchen war ein sehr geschickter, fleißiger Korbflechter. Seine Körbe waren sehr schön, und er konnte sie auf dem Markt in der Stadt gut verkaufen. Doch es fiel ihm schwer, die Körbe zum Markt zu tragen, weil er immer gebückt gehen musste. Manchmal dachte er, er hätte Steine geladen, so schwer wurden die Körbe. So musste er unterwegs hin und wieder eine Pause machen und Eichhörnchen und Maus leisteten ihm Gesellschaft.
Taktile Wahrnehmung: Vergleiche Peddigrohr - Fell - Stein
Als er sich eines Tages nach einem langen Markttag im Wald ein wenig ausruhen musste, hörte er plötzlich in der Nähe eines Hügel eine sinnliche Musik und einen Geruch von Fenchel und Kümmel, Feengerüche.
Musik und Riechdosen Fenchel ,Kümmel
Es waren auch wunderbare, leise Stimmen dabei. Fingerhütchen hatte noch nie ähnliches gehört. Ganz gebannt lauschte er den Klängen, schließlich summte er leise mit. Dann glaubte er einige Worte zu verstehen, schloss die Augen und begann schließlich die Melodie seines Lieblingsliedes zu erkennen und sang:
Lied: Dumdidare
Plötzlich vernahm er in seinem Gesicht einen leichten, warmen Windhauch und als er die Augen öffnete, da sah er wunderschöne Feen, die sich im Takt seines Gesanges hin und her bewegten. Sie packten ihn und tanzten mit Fingerhütchen hinunter in der Hügel, mitten in das Feenreich hinein. Alles glänzte und glitzerte so wundervoll. Niemals zuvor hatte Fingerhütchen so etwas gesehen. Die Feen waren so erfreut darüber, wie schön Fingerhütchen für sie gesungen hatte, dass sie sich bei ihm mit einen ganz besonderen Geschenk bedanken wollten.
Aufmerksam hörte Fingerhütchen, wie die Feen zu ihm sprachen:
Auditive Wahrnehmung: Höre genau zu, wiederhole in der Gruppe
Fingerhütchen, Fingerhütchen!
Fass dir frischen Mut!
Lustig und munter,
dein Buckel fällt herunter,
siehst ihn liegen, dir geht´s gut,
Fingerhut, Fingerhut
Richtungshören: Verschiedene Worte kommen aus verschiedenen Richtungen:
Fingerhütchen - Mut - Lustig - Buckel - Zeige in die Richtung und wiederhole das Wort.
Kaum waren die Worte gesprochen, fühlte das Fingerhütchen sich so leicht, so selig, dass es wohl mit einem Satz über den Mond hinweggesprungen wäre. Überglücklich schlief er ein und erwachte erst als die Sonne bereits hoch am Himmel stand. Er sprang auf und tastete vorsichtig seinen Rücken. Der Buckel war tatsächlich verschwunden und Fingerhütchen war von Kopf bis Fuß in neue Kleider gehüllt.
Nun konnte Fingerhütchen so normal leben wie alle in seinem Dorf und viele Dinge waren nun auch ihm möglich:
Erlebnispäd: Ein kleiner Mann wollte tanzen gehen und sich die schönen Mädchen besehn, er setzte langsam Schritt vor Schritt, weil er nicht wusste wie man´s machen muss.
Laufen im Kreis, rechte Hand auf Schulter Vordermann, linke Hand auf Schulter Vordermann. Kreis wird enger gelaufen, setzen uns gemeinsam auf die Knie des Hintermannes. Laufen als sitzende Gruppe noch eine Runde ohne umzufallen.
So ähnlich und mit vielen anderen Ideen und den unterschiedlichsten Bereichen kann man mit wenig Materialien und wenig Geld wirkungsvoll und nachhaltig Erlebnis erlebbar machen und viel Wissen, Lebensweisheiten und einfach Freude am Tun vermitteln.
Ich möchte mich bei Ihnen herzlich bedanken und hoffe, dass Sie sich auch noch in einiger Zeit an das Fingerhütchen erinnern werden.
Ihre
Claudia Müller
Familienreferenten im Fichtelgebirgsverein